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Pinsel Der Liebe- Kleine JungsEs ist jetzt schon fast vierzig jahre her, aber ich erinnere mich noch immer an die Nacht, in der ich auf dem Teppich vor meinem Bett aufwachte. Ich war sehr verängstigt. Nicht nur, weil ich neben dem Bett lag und vor Kälte zitterte. Sondern auch, weil mein Schlafanzug ganz durchnäss war. Ich werde niemals herausfinden, welch winziger Defekt gereicht hätte, mich zum Bettnässer zu machen.Denn soweit ich mich entsinnen kann, ist es nie wieder vorgekommen. Vielleicht wird es dann in zwanzig, dreissig jahren Soweit sein—und gebenedeit seien die, die mich dann waschen und pflegen wollen. Zwischen Bettnässen und Inkontinenz liegt ein ganzes Leben. Und in diesem Fall ein Buch. Ich bat Bo Coolsaet, beim Anfang anzufangen. Er fing bei den Eltern an. Auch heute werden junge Menschen noch von Eltern erzogen, die in einem anderen soziokulturellen Klima erwachsen wurden und daher mit ihren Kindern, oft unbewusst und unbeabsichtigt, voller Hemmungen und Schuldgefühle umgehen.Natürlich waren die Normen, was Körper-lichkeit im allgemeinen und die Sexualität angeht, im Lauf der Geschichte immer abhängig von gesellschaftlichen Verhältnissen und Konventionen und auch beeinflusst von religiösen Vorstellungen, Verboten und Geboten. In weiten Teilen der Welt ist das auch heute noch so. Selbst in der westlichen Gesellschaft, die seit einigen Jahrzehnten durch grosse individuelle Freizeit, Toleranz und Offenheit gekennzeichnet ist, wird einmal mehr nach strengeren Regeln, grösserer sozialer Kontrolle, mehr Autorität gerufen. Für einen jugendlichen ist es daher nicht einfach, sich in dieser Pendelbewegung zurechtzufinden und seinen eigenen Platz zu suchen. Mir scheint es wesentlich, dass sich die jugendliche Identität in einer atmosphäre psychischer und physischer Gesundheit entwickeln kann, in einer Umgebung, in welcher der junge lernen kann, sich so gut wie möglich selbst kennen zulernen und zu lieben, damit er als erwachsener Mann auch die Liebe zu anderen erleben kann. Selbstverständlich haben Eltern das Recht, wenn nicht sogar die Pflicht, ihre Kinder dabei zu unterstützen. Andererseits hat aber auch das Kind das Recht, seine persönliche Sichtweise unbeeinflusst und zugleich im Einklang mit dem jeweiligen Zeitgeist herauszubilden. Dass diese Spannungen zwischen Heranwachsenden und der elterlichen Autorität häufig zu Konflikten führen, ist eine Binsenwahrheit. Heutzutage kann aber bereits vieles the matisiert und diskutiert werden, was vor nicht allzu langer Zeit unmöglich gewesen wäre. Immer öfter beobachte ich, wie sich zwischen Eltern und Kindern offene Beziehungen entwickeln. Das Erbe der Königin Victoria, das Korsett einer scheinheiligen viktorianischen Mentalität, weicht immer mehr der Offenheit, dem Gespräch und der sexuellen Aufklärung. Dennoch, die Vergangenheit ist noch lebendig.Wie lange ist es her, dass kleine Jungs für ihren ersten nassen Traum bestraft wurden? Oder Mädchen bei ihrer ersten Menstruation verzweifelt glauben, ihr Bauch sei geplatzt? In manchen geschlossenen und repressiven Milieus hat sich daran zweifellos immer noch nichts geändert. Reference: Bo Coolsaet |